Unsere Moscheen – unsere Verantwortung

Stell dir vor:

Es ist Eid und du bist eingeladen, um mit deinen Geschwistern zu grillen, zu essen und Spaß zu haben. Du siehst deine Freunde und Bekannten, lernst neue Geschwister kennen und es gibt unglaublich guten Kuchen.

Nach ein paar Stunden bist du immer noch in Gesprächen mit deinem guten Bruder vertieft und der Teller mit Salat und Hähnchenflügel wurde schon längst zum Süßigkeitenbehälter umfunktioniert. Der Tee ist nicht mehr ganz so heiß und die Moschee leert sich langsam.

Deine Freunde wollen den nächsten Bus nehmen und du verabschiedest dich noch kurz von dem Studenten, den du heute kennengelernt hast. Auch du musst los, denn um 22 Uhr erwartet dich Zuhause dein Bett. Später darf es heute leider nicht werden.

Satt und zufrieden kannst du auf einen Tag in der Moschee zurückblicken: du hast die Brüderlichkeit gestärkt, du hast in der Gemeinschaft gebetet, du hast einem jüngeren Bruder vielleicht sogar etwas beigebracht, du hast deine Freunde zum Lachen gebracht.

Jetzt bist du müde und morgen früh, so fühlt es sich jedenfalls an, wirft der anstrengende Alltag wieder sein ganzes erdrückendes Gewicht auf dich.
Heute tat es mal gut Eid zu genießen…

Du hast jedoch etwas vergessen:
Den 40 jährigen Onkel mit fünf Kindern, der noch bis Mitternacht die Moschee-Küche putzt. Er muss morgen zur Frühschicht aber es ist einfach keiner mehr zum Aufräumen geblieben. „Wie immer. Kein Problem insha Allah“, sagt er mit einem Lächeln.

Den über 70 jährigen Hadschi. Ihm blutet das Herz, wenn die Moschee nicht sauber ist. Deshalb bückt er sich nach jedem Krümmel und Schnipsel, bis der Gebetsraum wieder wie neu aussieht.

Außerdem hast du deinen Teller auf dem Tisch vergessen. Das war sicher ein Versehen! Aber leider bist du damit nicht allein gewesen, denn auf den Tischen des leeren Speisesaals stehen noch zig Teller mit Essenresten. Eigentlich schmeißt der Bruder, der nicht gehen kann, bevor er beim Aufräumen geholfen hat, niemals Lebensmittel in den Müll. Heute hat er aber keine Wahl. Es steht nämlich einfach alles rum! Während er angeknabberte Kuchenstücke in die Tüte kippt, flüstert er:“Astaghfirullah“.
Leider hat auch der junge Bruder, der etwas von dir lernen sollte, das alles beobachtet. Gelernt hat er heute deswegen am ehesten, wie man verschwindet, bevor aufgeräumt wird.

Liebe Geschwister,
unsere Religion verbessert unser Verhalten. Reinigt unseren Charakter. Sie macht uns selbstloser. Sie lässt uns zu nützlichen Individuen werden. Sie macht aus uns gleichwertige Menschen. Verantwortungsbewusstsein, Fleiß, Ausdauer, der körperliche Einsatz im Dienst der Menschen und das Streben nach jeder guten Tat sind Zeichen des Glaubens und des Wissens.

About the Author